Stabilität – was ist das?

Balance

Wenn Sie meine Bücher „Stabilität kann man essen“ und „Stabilität kann man leben“ gelesen haben (oder mein Online-Seminar geschaut haben), haben Sie einen Strauß an Möglichkeiten kennen gelernt, wie man seine verlorengegangene Stabilität wieder erlangen kann. Ich bin mir sicher, dass Sie etwas für sich gefunden haben, mit dem Sie beginnen werden.

Aber wie fühlt es sich an, wenn Stabilität gelingt? Hier ein leicht abgeänderter Auszug aus meinem Buch „Stabilität kann man leben“, um Ihnen ein Gefühl zu geben, warum es sich lohnt, sich auf den Weg zu machen:

 

Stabil sein bedeutet, dass man seinen Stimmungsschwankungen nicht hilflos ausgeliefert ist, sondern sie selbst managen kann. Man hat die Kontrolle und niemand anderer. Man hat es in der Hand, ob die Krankheit einen beherrscht oder man selbst die Krankheit. Man kann das eigene Leben gestalten; der oder die Handelnde sein; der oder die bestimmt, was getan werden soll und nicht alleinig (ärztliche) Handlungen erduldet.

Das nenne ich Autonomie.

Stabil sein bedeutet, zu akzeptieren, dass man möglicherweise ein breiteres Gefühlsspektrum hat als andere. Das kann man als Chance und Ressource begreifen und weniger als Geißel. Man kann akzeptieren, dass man manchmal von den eigenen Gefühlen mitgerissen wird, dass einem ggf. schnell die Tränen laufen und man manchmal den Schmerz anderer körperlich empfindet. Das macht keine Angst mehr, sondern ist Teil der eigenen Persönlichkeitsausprägung, die man nicht mehr abwehren muss. Gefühle dürfen da sein, auch wenn sie heftig sind. Es ist möglich zu lernen, diesen Gefühlen zu trauen, denn sie sind echt. Man kann die eigene Empathie als bereichernd wahrnehmen. Es ist möglich, Strategien zu entwickeln, um starke Gefühle wahrzunehmen, einzuordnen, auszuhalten und eigenes Leid von fremdem Leid emotional zu trennen und sich vor Überforderung zu schützen.

Das nenne ich Selbstakzeptanz.

Stabil sein bedeutet, dass man auch dann selbst über sich bestimmt, wenn es kritisch wird, die Stimmung zu kippen droht oder sich nicht hilfreiche Gedanken aufdrängen. Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche, sondern Einsicht, dass es allein nicht mehr geht. Man kann lernen, sich dann die Erlaubnis zu geben, schwach sein und Anderer Hilfe zu bedürfen. Trotzdem kann man selbst entscheiden, wann und wem man für eine begrenzte Zeit die therapeutische oder ärztliche Begleitung erlaubt. 

Das nenne ich Einsicht

Stabil sein bedeutet, sich nicht dem Reiz der Manie hinzugeben. Sie ist eine trügerische Verlockung. Deshalb bedarf es Wachsamkeit. Stabil sein bedeutet, die Manie nicht mehr zu brauchen, um die eigenen Bedürfnisse zu artikulieren und auszuleben. Man verfügt nun über Ressourcen, die eigenen Wünsche angemessen und gewaltfrei zu äußern, so dass man gut für sich sorgen kann, ohne die Interessen anderen zu missachten oder zu verletzen. Man lernt, so sein zu dürfen, wie man ist, ohne sich verbiegen zu müssen, um gesehen zu werden.

Das nenne ich Selbstfürsorge

Stabil sein bedeutet, das Schöne, Friedliche und Schöpferische des Lebens im Fokus zu haben. Man freut sich an den kleinen Dingen, z. B. in der Natur, und nimmt die jahreszeitlichen Veränderungen bewusst wahr. Genuss mit allen Sinnen ist nichts Verbotenes oder verschwendete Zeit, sondern bewusstes Erleben. Man lernen, sich die Erlaubnis zu geben, innezuhalten und wahrzunehmen, was ist – ohne zu werten. Man lernt, achtsam, verständnisvoll und versöhnlich mit sich selbst umzugehen. Das hilft auch im Umgang mit anderen. Die Energie folgt der Aufmerksamkeit – täglich Neues und Schönes zu suchen, hilft, diese Aufmerksamkeit zu lenken.

Das nenne ich Achtsamkeit

Stabil sein bedeutet, sich im eigenen Körper wohlzufühlen und ihn zu nähren. Guter, erholsamer Schlaf ist häufig die Folge. Man kommt morgens gut aus dem Bett. Die normale Stimmungslage ist geprägt von Fröhlichkeit ohne manische Züge und Beschwingtheit ohne aufgedreht zu sein. Stabil sein bedeutet, den eigenen Körper kraftvoll zu spüren und sich daran zu erfreuen, wozu er in der Lage ist. 

Das nenne ich Belastbarkeit

Stabil sein bedeutet, Stress als angenehme Herausforderung betrachten zu können. Man kann sich gut konzentrieren, besser und schneller denken ohne sich ausgelaugt und erschöpft zu fühlen. Man spürt  eine angenehme kognitive Leistungsfähigkeit. Es bedeutet aber auch zu lernen zu spüren, wann es zu viel wird und so Überforderung durch rechtzeitiges Gegensteuern zu vermeiden.

Das nenne ich Resistenz

Stabil sein bedeutet auch, inneren Frieden mit sich und der eigenen Krankheit zu machen. Was vergangen ist, kann man nicht mehr ändern, aber man kann eine andere Haltung dazu einnehmen und Schlussfolgerungen für die Zukunft ziehen. Man kann lernen zu vermeiden, was einem nicht gut tut. Man kann Strategien für sich finden, wie man mit nicht hilfreichen Gedanken umgeht – z. B. mit Ablenkung und Aktivität. Man lebt immer mehr im Hier und Jetzt und richtet den Fokus auf das, was man selbst tun kann. 

Das nenne ich Zufriedenheit

Stabil sein bedeutet, die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten für sich und andere zu nutzen. Man kann lernen wertzuschätzen, was man kann, wie man es für sich selbst und andere gewinnbringend einbringen kann und was  Spaß macht. Man richtet den Fokus mehr und mehr auf das, was man kann und stärkt die eigenen Stärken. Man hadert nicht mehr mit dem, was man nicht kann. 

Das nenne ich Selbstwirksamkeit

Stabil sein bedeutet, in innerer und äußerer Stimmigkeit zu leben. Man lernt, die eigene Krankheit aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Sie steht nicht mehr im Mittelpunkt. Man darf sich davon abwenden und den eigene Fokus auf die eigenen gesunden Anteile richten. 

Es bedeutet, die Ursachen der eigenen Erkrankung zu lernen, die eigenen Trigger und Gegenstrategien für sich zu kennen. Stabil sein bedeutet aber auch, dass dies nicht zur Unvorsichtigkeit verleitet und darauf zu achten so zu leben, dass man stabil bleiben kann. 

Dazu kann z. B. gehören, regelmäßig Blutparameter bestimmen zu lassen, damit alles im Gleichgewicht bleibt. Oder bewusst die Dinge zu essen, von denen man weiß, dass sie einem guttun und die nötigen Ausgangsstoffe fürs  Gehirn bieten. Wo es nicht über die Ernährung gelingt, können Nahrungsergänzungsmittel helfen. 

Dieser Lebensstil wird zur Gewohnheit werden, er wird integraler Bestandteil des Alltags und deshalb gut handhabbar. 

Das ist für mich Stabilität

Und das alles zusammen nenne ich: psychische Gesundheit,

denn Stabilität können wir leben.

Mehr zu diesen Themen finden Sie in meinem Buch „Stabilität kann man leben“.