Ein Buch für Betroffene und Interessierte: „Das Lithium-Komplott“
Das kürzlich erschienene Buch „Das Lithium-Komplott“ von Dr. Michael Nehls möchte ich besonders Menschen mit psychischen Belastungen und vor allem jenen, die Lithium als Psychopharmakon einnehmen, ans Herz legen.
Dr. Nehls liefert er eine verständliche und umfassende Darstellung von Lithium als einem „Schlüssel zur mentalen Gesundheit“ – einem Faktor, der seiner Ansicht nach wesentlich zu einer gesünderen, psychisch stabileren und friedensfähigeren Gesellschaft beiträgt.
Er legt dar, dass ein weit verbreiteter Lithiummangel in der Bevölkerung existiert und maßgeblich zur Zunahme psychischer Erkrankungen, Suizidraten und einer verkürzten Lebenserwartung beiträgt. Dabei erläutert Dr. Nehls u.a. die unterschiedlichen Wirkungsweisen von Lithium als Spurenelement im Vergleich zu Lithiumcarbonat-basierten Psychopharmaka wie Quilonum oder Hypnorex, die in den Leitlinien weiterhin als Goldstandard zur Behandlung bipolarer Störungen gelten. Er geht ausführlich auf die Unterschiede zwischen Lithium-Orotat (als Nahrungsergänzungsmittel) und Lithiumcarbonat (als Psychopharmakon) ein, was die Lektüre besonders informativ für Lithium-Anwender macht.
Das Element Lithium gehört zu den Leichtmetallen und wirkt psychovegetativ ausgleichend und entspannend. Tierversuche und In-Vitro-Studien zeigen positive Effekte von niedrig dosiertem Lithium auf kognitive, metabolische und mitochondriale Funktionen sowie anti-diabetische und anti-inflammatorische Effekte.
Dr. Nehls betont, dass Lithium zwar als essenzieller Vitalstoff durch keinen anderen Stoff ersetzt werden kann, es aber deshalb kein „Wundermittel“ ist. Denn Lithium kann keinen Mangel an einem anderen essenziellen Stoff, von denen es ungefähr fünfzig verschiedene gibt, ersetzen. Genauso wenig kann Lithium andere grundlegende Bedürfnisse des Menschen, wie beispielsweise eine artgerechte Ernährung, Schlaf, Bewegung oder soziale Aktivitäten, ersetzen.
„Doch die Behebung eines Lithiummangels macht uns lebensbejahender, wissbegieriger und psychisch stabiler.“ (Zitat S. 234)
Kritisch äußert sich Dr. Nehls zur fehlenden Anerkennung der essenziellen Bedeutung von Lithium durch die zuständigen Behörden und dem Verbot lithiumhaltiger Nahrungsergänzungsmittel in vielen Ländern, einschließlich Deutschland. Er stellt dies dem liberaleren Umgang in den USA gegenüber, wo Lithium als Nahrungsergänzungsmittel frei erhältlich ist. Allerdings weist er darauf hin, dass in Deutschland Ärzte niedrigdosiertes Lithium-Orotat rezeptieren können und Apotheken es auf individuelle Bestellung anfertigen.
Ein Grund für die restriktive Handhabung von Lithium liegt u.a. darin, dass Lithiumcarbonat als Psychopharmakon so hoch dosiert wird, dass es nahe an der toxischen Grenze liegt und deshalb die Blutspiegel überwacht werden müssen. Diese hohen Dosierungen spielen bei Lithium als Spurenelement keine Rolle.
In den Forschungen der Pharmaindustrie wird versucht, ein Mimetikum (Nachahmer) für Lithium zu finden, das man als „Medikament“ vermarkten kann. Vor diesem Hintergrund vermutet Dr. Nehls auch monetäre Interessen für die Nichtanerkennung von Lithium als essenzielles Spurenelement und spekuliert über weitere Gründe, die sich im Titel „Lithium-Komplott“ widerspiegeln.
Was kann Lithium?
Ein solches Target ist das Enzym Glykogen-Synthase-Kinase 3 (GSK-3). Lithium kurbelt wie Insulin die Synthese von Glykogen an. Glykogen ist der stärkeähnliche Speicher für Glukose in Leber- und Muskelzellen, in geringem Maße auch in Fettzellen. Aktiviertes GSK-3 hemmt das Enzym, das aus Glucose Glykogen herstellt, indem es das Enzym „kinasiert“, daher der Name. Kinasierung ist der wissenschaftliche Ausdruck für das biochemische Koppeln einer sogenannten Phosphatgruppe an Proteine.
Proteine werden durch Kinasierung aktiviert oder inaktiviert, je nachdem, wie die angehängte Phosphatgruppe die Struktur des enzymatischen Zentrums beeinflusst.
Die Kinase GSK-3 übermittelt, wenn sie aktiv ist, durch Kinasierung somit ein Signal wie in diesem Beispiel: Stoppe die Produktion von Glykogen! In Stresssituationen ist das sinnvoll, um den Blutzuckerspiegel ansteigen zu lassen, schließlich benötigen wir die Energie, um reagieren zu können (Flucht oder Kampf) (siehe S. 84-85)
Chronische Stress und chronisch hochaktives GSK-3 kann jedoch aufgrund eines chronisch erhöhten Blutzuckerspiegels eine Insulinresistenz verursachen, was die Entwicklung eines Typ-2 Diabetes begünstigt. Chronisch erhöhter Blutzucker schädigt wiederum das Gehirn und fördert neurodegenerative Erkrankungen, wie z.B. Alzheimer.
GSK beeinflusst aber nicht nur den Blutzucker, sondern kinaisert auch sehr viele andere Proteine mit vielen verschiedenen zellulären Funktionen. Die GSK-3 ist wahrscheinlich die am meisten beschäftigte Kinase in den meisten Zellen mit mehr als 100 bekannten Zielproteinen, die sie regulieren muss. (Siehe S. 86)
Da es viele solcher Targets gibt, an denen Lithium wirkt, nennt Dr. Nehls deren Gesamtheit: Lithiom. Es gibt direkte Targets wie z.B. GSK-3, die durch Lithium gesteuert werden, sondern auch indirekte, die wiederum von diesen Targets reguliert werden, die drittens noch viele weitere Targets steuern. Lithium reguliert über das interaktive Lithiom netzwerkartig alle grundlegenden biologischen Funktionen.
Lithium in Nervenzellen:
Unsere Nervenzellen können als Teil eines komplexen Netzwerkes nicht ausgetauscht werden, sondern müssen in der Lage sein, so alt zu werden, wie wir selbst. Es gibt Mechanismen, wie beschädigte Nervenzellen entweder repariert (Apoptose) oder abgebaut werden (Autophagie).
Die Autophagie beschreibt den Abbau fehlerhaft gefalteter oder potenziell toxischer sowie überalterter Zellorganellen, wie z.B. die Mitochondrien. Die kontrollierte Zerstörung verhindert eine Anhäufung von „Zellschrott“ und trägt zur Aufrechterhaltung des neuronalen Energiestoffwechsels bei. Eine nicht optimal funktionierende Autophagie spielt eine entscheidende Rolle bei den meisten neurodegenerativen Erkrankungen. Das lässt sich auf eine Hyperaktivität der Lithiumtargets GSK-3 und IMPase zurückführen. Erst eine ausreichende Lithiumversorgung sorgt dafür, dass die Aktivität auf ein gesundes (homöostatisches) Maß reguliert wird. (siehe Seite 98-100)
Apoptose und Lithium:
Ähnlich wie die Autophagie intrazelluläre Organellen abbaut, sorgt die Apoptose dafür, dass ganze (funktionsgestörte) Zellen abgebaut werden und deren Bestandteile in den Stoffwechsel zurückgeführt (recycelt) werden können.
Lithium hemmt über seine Zielmoleküle wie GSK-3 die Apoptose und erhöht so die Überlebenschance junger Nervenzellen im Hypocampus bis zu ihrer Integration in das hippocampale Netzwerk. Nur so kann die adulte Neurogenese (Neubildung von Nervenzellen bei Erwachsenen) ablaufen. (siehe S.101)
Immunregulation:
Infektionen hemmen die adulte hippocampale Neurogenese (Neubildung von Nervenzellen bei Erwachsenen). Die dafür verantwortlichen Mediatoren sind proinflammatorische Botenstoffe (IL-1, IL 6 und TNF-alpha). Das ist bei akuten Erkrankungen sinnvoll und kehrt sich ins Gegenteil bei chronischen Entzündungen.
Telomer-Funktion:
Eine verstärkte Verkürzung der Telomere geht mit einem stärkeren Verlust des Hippocampusvolumens einher. Die bipolare Störung geht mit verkürzten Telomeren einher und Lithium hat über eine Aktivierung des Telomerverlängerung einen positiven Einfluss auf die Erkrankung.
Circadianer Rhythmus:
Lithium reguliert über die sogenannte „Uhrenproteine“ den circadianen Rhythmus, d.h. die Fähigkeit unseres Organismus, alle physiologischen Prozesse auf eine Periodenlänge von etwa 24 Stunden zu synchronisieren. Insbesondere das Lithiumtarget GSK-3 scheint dabei eine zentrale Rolle zu spielen, da es viele Uhrengene reguliert. Fehlreguliertes GSK-3 führt zu Störungen im circadianen Rhythmus, was u.a. Schlafstörungen und in Folge hippocampale Störungen verursacht.
Darüber hinaus wurden verschiedene Uhrengene, die an der Erzeugung des inneren Biorhythmus beteiligt sind, auch ursächlich mit der Entstehung der bipolaren Störung in Verbindung gebracht. Lithium nimmt auf diese Weise auch Einfluss auf die Qualität unseres Schlafes. Der regulierende Einfluss von Lithium auf den circadianen Rhythmus könnte ebenfalls ein wesentlicher Aspekt der therapeutischen Wirkung bei Patienten mit bipolarer Störung sein; schließlich wird ein dysfunktionaler Schlaf-Wach-Rhythmus als eine zentrale Ursache dieser psychischen Erkrankung diskutiert. (siehe S. 104-105)
Neurogenese:
Lithium steuert die Neubildung von Nervenzellen im Gehirn. Dies sowohl über die Hemmung der Neuroinflammation aber auch direkt: Lithium aktiviert sowohl den Nerve Growth Factor (NGF) als auch den Brain-Derived-Neurotrophic Factor (BDNF). Dagegen blockiert GSK-3, wenn es hyperaktiv ist und nicht auf natürliche Weise durch Lithium gehemmt wird, die Freisetzung von BNDF und damit über diesen Mechanismus auch die adulte hippocampale Neurogenese.
Lithium kann auch das noch:
- Lithium senkt das Suizidrisiko
- bringt Serotoninspiegel ins Gleichgewicht und unterstützt dessen Zirkulation im gesamten Nervensystem
- steigert die Wirkung von Antidepressiva (Augmentation)
- wirkt ausgleichend auf den Zellstoffwechsel, und beeinflusst damit auch direkt die Stimmung
- schützt vor Entzündungen, indem es das GSK-3 Enzym hemmt (Eine zu starke, hyperaktive Aktivierung dieses Enzyms ist an der Entstehung bipolarer Störungen und Depressionen beteiligt)
- verbessert die Aufnahme von Vitamin B12 und Folsäure und
- unterstützt damit die Myelinproduktion (verbessert Nervenleitungen)
- unterstützt damit stimmungsrelevante Parameter
Deshalb ist Lithium bei allen neurologischen oder psychiatrischen Erkrankungen hilfreich (siehe S. 223)
Ist Lithiumorotat das bessere Lithiumsalz? (S. 211 ff.):
- Lithium kommt in der Natur nicht als reines Element vor, sondern als positiv geladenes Ion (Kation)
- Entweder gelöst in Flüssigkeiten (Lithium-Ionen, z.B. in Heilwasser)
- Oder gebunden an ein Anion (negatives Ion) in Form eines Salzes
- Oder eingebettet in Gestein
- Generell haben Salze die Eigenschaft, sich in wässriger Lösung schnell in ihre Ionen aufzulösen (Fachbegriff: ionisieren)
- Lithiumorotat ist das Salz der Orotsäure
- Lithiumorotat ist sehr stabil und kann intakt im Darm resorbiert werden, es gelangt über ein Orotat-Transportsystem über das Blut in die Zelle und zerfällt erst in der Zelle in seine Bestandteile. Auf diesem Weg kann es auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden
- Deshalb hat Lithiumorotat im Vergleich zu anderen Lithiumsalzen eine gute Wirkung und es sind nur geringe Dosen erforderlich
- In der Zelle entscheidet der Orotatbedarf der Zelle über die Trennung der Lithium-Ionen vom Orotat. Sobald das Orotat für die biochemische Synthese von RNA und DNA-Bausteinen verwendet wird, setzt es die Lithium-Ionen frei
- Somit ist nicht nur Lithium, sondern auch das Orotat unentbehrlich für die Gewebeneubildung, die Zellregeneration und die Regulation des Immunsystems
- Orotsäure kann auch im menschlichen Organismus aus Asparginsäure und Glutamin gebildet werden. Früher glaubte man, es sei ein Vitamin und nannte es B13.
- Es wird vor allem in der Milchdrüse gebildet und wurde 1904 erstmals aus Kuhmilch isoliert, daher auch die Bezeichnung „oros“ für griechisch „Molke“
- Im Vergleich zu Lithiumorotat ionisiert Lithiumcarbonat, das bei der Behandlung der bipolaren Störung am häufigsten eingesetzt wird, leicht in Lösung und erfordert daher die Gabe von vergleichsweise sehr hohen Dosen, um die Lithiumionen durch die Blut-Hirn-Schranke zu treiben.
- Schließlich werden die für die pharmakologische Wirkung notwendigen, aber völlig unphysiologisch hohen Konzentrationen nicht mehr natürlich durch die vorhandenen Ionenkanäle und Transportsysteme reguliert.
- Diese Nachteile zusammengenommen erklären auch die hohe Nebenwirkungsrate und das Toxizitätsrisiko von Lithiumcarbonat.
- Lithiumcarbonat und Lithiumorotat unterscheiden sich grundlegend in ihrer Pharmakokinetik
- Es gibt kaum Menschenstudien mit Lithiumorotat. Auf S. 215 beschreibt Dr. Nehls die Erfolge bei Alkoholabhängigkeit, auf S. 271 geht er auf eine Studie mit Alkoholikern ein, die zufällig auch noch an der bipolaren Störung Der Erfolg war bemerkenswert. Der behandelnde Arzt, der die Studie gemacht hat, schreibt: Es wurden 5 mg reines Lithium (in Form von Lithiumorotat) 4–5-mal pro Woche verabreicht. Es verbesserten sich die Leber- und Herzfunktionen, es kam zu einer Verringerung der Migräne und anderer Kopfschmerzformen. Bei Patienten mit Leukopenie (Mangel an weißen Blutkörperchen) infolge einer Chemotherapie kam es zu einem Anstieg der weißen Blutkörperchen
In welche Menge der verschiedenen Salze ist 1 mg Lithium enthalten?
- 23,4 mg Lithiumorotat
- 25,7 mg Lithiumorotat-Monohydrat
- 5,3 mg Lithiumcarbonat
- 6,1 mg Lithiumchlorid
- 19,0 mg Lithiumaspartat
- 10 mg Lithiumcitrat
Kolloidales Lithium hält Dr. Nehls für ungeeignet (siehe S. 217-218)
Therapievorschläge: (ab S. 252)
- Nehls rät zu einem systemischen Ansatz, davon kann Lithium ein Teil sein, allein ist es kein „Wundermittel“
- Lithium ist das sicherste Spurenelement, das wir haben, trotzdem haben wir die meiste Angst davor
- Auch im Krankheitsfall würde er nie über den Niedrigdosisbereich von 5 bis 20 mg Lithiumorotat hinausgehen, obwohl Lithium die NOAEL-Grenze erst bei 85 mg am Tag erreicht wird (Grenze, bis zu der keine Nebenwirkungen auftreten)
- Bei 70 kg Körpergewicht beträgt der tägliche Bedarf 1mg Lithium
- Wenn man eine Neuroinflammation hat, empfiehlt er 2 x 5 mg
- Lithiumorotat wirkt etwa 10-mal besser als Lithium-Carbonat
- Anwender berichten, dass bereits nach 3 bis 5 Tagen Wirkungen eintreten
Anwendungsgebiete: (ab S. 254
- Autismus-Spektrum-Störung (S. 254)
- Bipolare Störung (S. 269)
- Ursache ist eine auf Lithiummangel zurückzuführende exzessive Aktivität von GSK-3
- Diese führt zu einem proinflammatorischen Zustand, einer Dysregulation des Tag/Nacht-Rhythmus mit Schlafstörungen und verminderter Neurogenese bei erhöhter Tendenz zur Apoptose (Neurodegeneration) im Zentralnerven-system, was einen beschleunigten hippocampalen Volumenverlust bedeutet. Damit ist die bipolare Störung eine Erkrankung bzw. Entwicklungsstörung des Hippocampus.
- Bei Bipolaren, die keine Symptomverbesserung durch Lithiumgaben erlangten, könnte die grundlegende Lithiumakkumulation im linken Hippocampus gestört sein
- Lithiumorotat wirkt etwa 10-mal besser als Lithium-Carbonat
- bei der bipolaren Störung könnten 3 x 6 mg Lithiumorotat (entspricht 18 mg Lithium am Tag) die gleiche Wirkung haben, wie 2 x 450 mg Lithiumcarbonat (1 Tablette Quilonum a 450 mg Lithiumcarbonat enthält 90 mg Lithium, 2 Tabletten = 180 mg Lithium am Tag)
- aus der Migräne Studie (siehe unten) weiß man, dass die Dosis nach einiger Zeit ggf. reduziert werden kann, vermutlich, weil die gestörte Lithiumakkumulation durch die Einnahme von Lithiumorotat behoben wurde.
- Schizophrenie (S. 272)
- Tourette-Syndrom (S. 274)
- Borderline-Persönlichkeitsstörung (S. 275)
- Suchtverhalten (S. 276) (5- 10 mg Lithiumorotat)
- ADHS (S. 279)
- Hohe Impulsivität ist durch einen Lithiummangel verursacht
- Zusätzlich Omega-3-Fettsäuren, Zink, Selen, Vit.D
- Depression (S. 280)
- Die Hemmung der GSK-3 Aktivität in der Mikroglia ist nahezu allen Arten von Antidepressiva gemeinsam.
- Letztendlich führt diese Hemmung direkt und indirekt zur Steigerung der hippocampalen Neurogenese, was die eigentliche antidepressive Wirkung darstellt, da dadurch die psychische Resilienz reaktiviert wird.
- Suizidneigung (S. 281)
- Störung des Sozialverhaltens (S. 282)
- Angststörung (S. 284)
- Schmerzsyndrome (S. 285)
- Polyneuropathie und neuropathische Schmerzen
- Migräne: 290 Dr. Nehls zitiert eine Studie des us-amerikanischen Neurologen Jose I. Medina aus dem Jahr 1982, der mit Lithiumcarbonat dreimal täglich 300 mg Migräne behandelt hat. Ein Großteil der Patienten erlebte ein Abklingen der Kopfschmerzen.
- Cluster- Kopfschmerz
- Epilepsie
- Neurodegenerative Erkrankungen
- Alzheimer Demenz: „Erste klinische Hinweise, dass Lithium einen kausal schützenden Einfluss auf die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz hat, ergaben sich aus Studien aus Patienten, die an einer bipolaren Störung litten: Ältere Menschen, die wegen einer bipolaren Störung chronisch mit Lithium behandelt wurden, hatten laut den Ergebnissen einer Studie aus dem Jahr 2007 ein Alzheimer-Risiko von etwa 5 % – dies entspricht etwas dem der gleichaltrigen Allgemeinbevölkerung. Das Risiko ein einer nicht mit Lithium behandelten Vergleichsgruppe, die ebenfalls an einer bipolaren Störung litt, war allerdings mit etwa 33 % über sechsmal (!) höher.“ (S. 296)
„Eine Lithiumbehandlung der bipolaren Störung führt zu einer Vergrößerung des Hippocampusvolumens in beiden Hemisphären – ein Effekt, der schon nach einer kurzen Behandlungsdauer von etwa 4 Wochen erkennbar wurde.“ (S. 297)
- Parkinson
- Frontotemporale Demenz
- Amyotrophe Lateralsklerose ALS
- Chorea Huntington
- Vaskuläre Demenz
Neuroinflammation so weit das Auge reicht (S. 312)
„Eine in vielerlei Hinsicht artfremde Lebensweise, verstärkt durch einen ebenso artfremden chronischen Lithiummangel, führt zu einem Leben in chronisch schleichender Neuroinflammation und damit zu einem Leben in chronischer Erschöpfung. Manch einer mag sich sogar daran gewöhnen, auch wenn das mentale Immunsystem und letztendlich die Seele darunter leiden. Und selbst wenn es nicht schon früh zu neuropsychiatrischen Entwicklungsstörungen kommt, drohen mit mittelfristig neurodegenerativen Erkrankungen, sobald der Teufelskreis der Neuroinflammation erst einmal in Gang gekommen ist. Zwar ist keine essenzielle Facette einer artgerechten Lebensweise wichtiger als die andere, aber aufgrund der Tatsache, dass Lithium an allen biologischen Funktionen beteiligt ist und als Spurenelement aufgrund seiner stressreduzierenden, antineuroinflammatorischen und neurogenese-fördernden Funktionen einen beruhigenden Einfluss ausübt, nimmt es unter den Vitalstoffen eine ganz besondere Rolle ein – wie kein anders Spurenelement wirkt es in alle möglichen Körperfunktionen hinein. Die Tatsache, dass selbst gravierende Abweichungen von dem, was eine optimale Gesundheit ermöglichen würde, uns nicht sofort töten, bedeutet keineswegs im Umkehrschluss, dass sie unser Leben nicht stark beeinträchtigen würden. Es ist aber – und ich wiederhole mich hier gerne -meist nicht zu spät, einen anderen Lebensweg einzuschlagen, …“
Zytokinsturm – akut lebensbedrohlicher Lithiummangel
- Lithium schützt
- vor viralem Zytokinsturm
- Wirkt effektiv gegen Herpes-Infektionen
- vor bakteriellen Zytokinstürmen
- traumatischen Zytokinstürmen
- autoimmunen Zytokinstürmen
- Multiple Sklerose
- Autoimmune Depression
- Typ 1 Diabetes
- Rheumatoide Arthritis
- Systemsicher Lupus erythematodes
Lithium for Life
- Verlängert Telomere
- Schützt das Herz-Kreislauf-System
- Fördert die Nierenfunktion
- Interessanterweise haben niedrige Lithiummengen den gegenteiligen Effekt von Lithiumcarbonat: sie schützen die Nieren (S. 344)
- Aktiviert den Energiestoffwechsel
- Regt die Thermogenese an (vermehrtes Schwitzen verhindert Gewichtszunahme)
- Verbessert Blutzuckerregulation
- Hält den Bewegungsapparat fit
- Schützt vor Krebs
Auf S. 354 werden die biologischen Funktionen bei essenziellen bis niedrigdosierten Dosen (mit Lithiumorotat) mit Hochdosen bei Behandlungen (Lithiumcarbonat) verglichen:
| System / biologische Funktion | Essenziell bis niedrigdosiert (Lithiumorotat) | Hochdosierte Behandlung (Lithiumcarbonat) |
| Alzheimerprävention | Gute Wirkung (verglichen mit Mangel) | Erhöhtes Risiko bei bipolarer Störung reduziert auf „normal“ |
| Alzheimertherapie | Gute Wirkung im Vergleich zu allen Arzneimitteln | Je höher, desto schlechter |
| Blutdruck | Verbessert (verglichen mit Mangel) | Etwas schlechter |
| Herzleistung | Verbessert (verglichen mit Mangel) | Etwas schlechter als „normal“ |
| Herzrhythmus | Verbessert (verglichen mit Mangel) | Risiko von Herzrhythmus-Störungen etwas erhöht |
| Nierenfunktion | Verbessert (verglichen mit Mangel) | Nierenfunktionsstörungen, Risiko eines Nierenversagens |
| Blutzucker | Verbessert (verglichen mit Mangel) | blutzuckersenkend |
| Fettstoffwechsel | Verbessert (verglichen mit Mangel) | Schlechtere Blutwerte |
| Obesitas | Gute Wirkung (verglichen mit Mangel) | Risiko einer Gewichtszunahme erhöht |
| Knochen | Schützt vor Abbau, hilft beim Aufbau | unklar |
| Muskulatur | Schützt vor Abbau, hilft beim Aufbau | unklar |
| Krebsprävention | Schützt stark | Schützt etwas |
(S. 354)
Das Pharma-Narrativ, das Dr. Nehls für überholt betrachtet, besteht aus drei eng miteinander verknüpften Leitsätzen. Aus Sicht der Pharmaindustrie bzw. der schulmedizinischen Lehre gelten sie als Axiome – also als grundlegende Annahmen, die nicht bewiesen werden müssen und auch nicht hinterfragt werden dürfen.
- Krankheit ist ein natürlicher, in unseren Genen veranlagter Prozess, der mit zunehmendem Alter symptomatisch wird: Der Mensch ist ein Konstruktionsfehler.
- Unser jeweiliger Lebensstil hat somit so gut wie keinen Einfluss auf unserer Gesundheit. Auch die Supplementierung von Vitalstoffen ist (selbst, wenn wir einen Mangel haben) reine Geldverschwendung oder sogar gesundheitsgefährdend.
- Welche Krankheit unweigerlich eines Tages ausbricht und schließlich unser Leben beendet, ist reinen Schicksal bzw. dem Roulette des Lebens unterworfen. Infolgedessen kann nur die pharmazeutische Forschung mit ihren Medikamenten vor Leid und vorzeitigem Tod bewahren. Der Glaube an das pharmazeutische Heilsversprechen ist mittlerweile so weit entwickelt, dass sehr viele Menschen jegliche Eigenverantwortung an den Rezeptblock abgeben. (S. 378-381)
Dr. Nehls betrachtet dieses Pharma-Narrativ als überholt. Damit wird die Symptomkaschierung der sogenannten Zivilisationskrankheiten zum Hauptziel der ärztlichen Tätigkeit.
Er fordert: Wir brauchen anstelle dessen eine präventive Medizin der Zukunft, die kausale Therapiekonzepte ganzheitlich entwickelt. Dazu gehören alle essenziellen Stoffe, wie auch Lithium.
(Einige Informationen habe ich auch den Vorträgen von Dr. Nehls entnommen. Seine Vorträge findet man auf seiner Webseite www.michael-nehls.de und auf YouTube)


