Lithiumorotat vs. Lithiumcarbonat – einfach erklärt
Lithiumcarbonat wird als Medikament vor allem bei der bipolaren Störung verordnet. Es gilt als „Goldstandard“ bei der Behandlung. Es gibt noch andere Lithiumverbindungen. In diesem Artikel soll es um die Unterschiede zwischen Lithiumcarbonat und Lithiumorotat gehen.
Die folgenden Informationen sind dem Buch von Dr. Michael Nehls „Das Lithiumkomplott“, 2025; Mental Enterprises Verlag und dem Artikel von Uwe Gröber und Vilmos Fux: Lithium in der Präventionsmedizin und mitochondrialen Medizin- ein Update; in OM-Zs.f.Orthomol. 2025;23:10-15; Georg Thieme Verlag entnommen.
Was ist Lithium und wo kommt es in der Natur vor?
Lithium gehört zu den Leichtmetallen und in die Gruppe der Alkalimetalle. Das sind die Elemente der 1. Hauptgruppe des Periodensystems, zu denen auch Natrium oder Kalium gehören. Seine atomare Masse beträgt gerundet 7 (6,94), was einen amerikanischen Getränkehersteller dazu inspiriert hat, sein Erfrischungsgetränk „Seven Up“ zu nennen. Bis vor ca. hundert Jahren enthielt das Getränk tatsächlich Lithium. Der Zusatz „Up“ = „auf“ bezog sich auf die Stimmungsverbesserung, die das Getränk versprach.
Lithium kommt in der Natur nicht als reines Element vor, sondern als positiv geladenes Ion (Kation)
- Entweder gelöst in Flüssigkeiten (Lithium-Ionen, z.B. in Heilwasser)
- Oder gebunden an ein Anion (negatives Ion) in Form eines Salzes, z.B. als Lithiumcarbonat oder Lithiumorotat
- Oder eingebettet in Gestein
Generell haben Salze die Eigenschaft, sich in wässriger Lösung schnell in ihre Ionen aufzulösen (Fachbegriff: ionisieren)
Neuere Tierversuche und In-Vitro-Studien zeigen positive Effekte von Lithium in niedriger Dosierung u.a. im Gehirn, auf den Stoffwechsel und auf die Energieproduktion in den Zellen. Es kann stimmungsstabilisierend, nervenschützend, entzündungshemmend und anti-diabetisch wirken – besonders in Form von Lithiumsalzen, zu denen u.a. Lithiumcarbonat und Lithiumorotat gehören.
Lithiumcarbonat – bekannt und bewährt; aber risikobehaftet
Lithiumcarbonat wird als Psychopharmakon vor allem bei der Behandlung der bipolaren Störung verordnet. Es ist rezeptpflichtig. Aufgrund seiner chemischen Struktur ionisiert es leicht. „Ionisierung“ bedeutet, dass sich eine chemische Verbindung – wie z.B. ein Salz – in einer Flüssigkeit (z. B. Wasser oder Blut) in elektrisch geladene Teilchen, sogenannte Ionen, aufspaltet. Das kennt jeder vom Kochsalz (NaCl), das sich schnell in Wasser in Na+ und Cl–auflöst.
Im Fall von Lithiumcarbonat:
- Es besteht aus Lithium (Li) und Carbonat (CO₃²⁻).
- In Flüssigkeit löst es sich schnell auf, ionisiert sofort
- Es entstehen Lithium-Ionen (Li⁺) – positiv geladen
- Und Carbonat-Ionen (CO₃²⁻) – negativ geladen
- Lithium-Ionen gelangen ins Blut, aber nur ein Teil davon erreicht das Gehirn
- Der Rest wird über die Nieren wieder ausgeschieden
Probleme und Nebenwirkungen:
Nur die Lithium-Ionen wirken im Gehirn. Lithiumcarbonat muss vergleichsweise hoch dosiert werden, damit genug Lithium-Ionen nach dem Aufspalten übrigbleiben und im Gehirn ankommen. Lithiumcarbonat wird deshalb meist knapp unterhalb der toxischen Grenze dosiert, weil es nur dann die gewünschte pharmakologische Wirkung entfaltet. Das birgt die Gefahr der Überdosierung, wenn z.B. die Flüssigkeitszufuhr schwankt oder man stark schwitzt. Durch die unphysiologisch hohen Konzentrationen (nicht den normalen Lebensvorgängen entsprechend) kann Lithium nicht mehr natürlich durch die vorhandenen Ionenkanäle und Transportsysteme reguliert werden und es kann zu unerwünschten Wirkungen (Nebenwirkungen) kommen.
Mögliche Nebenwirkungen:
- Handzittern (Tremor), Koordinationsstörungen (Ataxie)
- Übelkeit, Erbrechen
- Starker Durst, häufiges Wasserlassen
- Schilddrüsenstörungen (durch Jodverdrängung → Risiko für Autoimmunerkrankungen)
- Hemmung der Bildung entzündungshemmender Fettsäuren (z. B. DGLA)
- Erhöhter Zinkverbrauch → ggf. Substitution mit 30-60 mg/Tag empfohlen
- Ergänzung von Omega-3, Omega-6 und Vitamin E wird empfohlen
Lithiumorotat – die natürliche, gut verträgliche Alternative?
- Lithiumorotat ist die Verbindung aus Lithium-Ionen und dem Salz der Orotsäure und wird deshalb als Lithium-Orotat bezeichnet
- Lithiumorotat ist das Salz der Orotsäure
- Lithiumorotat ist sehr stabil und kann intakt im Darm resorbiert werden, es gelangt über ein Orotat-Transportsystem über das Blut in die Zelle und zerfällt erst in der Zelle in seine Bestandteile. Auf diesem Weg kann es auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden
- Deshalb hat Lithiumorotat im Vergleich zu anderen Lithiumsalzen eine gute Wirkung und es sind nur geringe Dosen erforderlich
- In der Zelle entscheidet der Orotatbedarf der Zelle über die Trennung der Lithium-Ionen vom Orotat. Sobald das Orotat für die biochemische Synthese von RNA und DNA-Bausteinen verwendet wird, setzt es die Lithium-Ionen frei
- Somit ist nicht nur Lithium, sondern auch das Orotat unentbehrlich für die Gewebeneubildung, die Zellregeneration und die Regulation des Immunsystems
- Orotsäure kann auch im menschlichen Organismus aus Asparginsäure und Glutamin gebildet werden. Früher glaubte man, es sei ein Vitamin und nannte es B13.
- Es wird vor allem in der Milchdrüse gebildet und wurde 1904 erstmals aus Kuhmilch isoliert, daher auch die Bezeichnung „oros“ für griechisch „Molke“
Lithiumcarbonat und Lithiumorotat unterscheiden sich grundlegend in ihrer Pharmakokinetik
- Im Vergleich zu Lithiumorotat ionisiert Lithiumcarbonat, das bei der Behandlung der bipolaren Störung am häufigsten eingesetzt wird, leicht in Lösung und erfordert daher die Gabe von vergleichsweise sehr hohen Dosen, um die Lithiumionen durch die Blut-Hirn-Schranke zu treiben.
- Schließlich werden die für die pharmakologische Wirkung notwendigen, aber völlig unphysiologisch hohen Konzentrationen nicht mehr natürlich durch die vorhandenen Ionenkanäle und Transportsysteme reguliert.
- Diese Nachteile zusammengenommen erklären auch die hohe Nebenwirkungsrate und das Toxizitätsrisiko von Lithiumcarbonat.
Vorteile gegenüber Lithiumcarbonat:
- Gezielte Wirkung mit niedriger Dosis
- Keine bekannten Nebenwirkungen, da nur natürliche Lithium-Blutspiegel (10-20 µg/l bzw. 0,0014 – 0,002 mmol/l) erreicht werden. Die Blutspiegel bei Lithiumcarbonat sollen einen Wert zwischen 0,4 – 0,6 mmol/l erreichen, damit eine therapeutische Wirkung eintritt. Das sind umgerechnet in µg/l ca. 4.000 – 6.000 µg/l
- Freisetzung des Lithiums nach Bedarf der Zelle, nicht wahllos im Blut
Was sagen Studien und Erfahrungen?
- Es gibt keine großen Humanstudien, aber positive Einzelfallberichte
- Seit wenigen Jahren verwendet der Potsdamer Kinderarzt, Dr. Schellenberger, Lithium-Orotat in seiner Praxis. Auf YouTube gibt es inzwischen drei kostenlose Videos, in denen er von seinen Erfahrungen berichtet.
- Bei Alkoholikern mit bipolarer Störung (Beispiel aus dem Buch, S. 271) zeigte Lithiumorotat (5 mg, 4-5×/Woche) folgende Verbesserungen:
- Bessere Leber- und Herzfunktion
- Weniger Migräne und Kopfschmerzen
- Anstieg der weißen Blutkörperchen bei Patienten mit Leukopenie nach Chemotherapie
- Migräne: (Beispiel aus dem Buch, S. 290): Dr. Nehls zitiert eine Studie des us-amerikanischen Neurologen Jose I. Medina aus dem Jahr 1982, der mit Lithiumcarbonat dreimal täglich 300 mg Migräne behandelt hat. Ein Großteil der Patienten erlebte ein Abklingen der Kopfschmerzen.
- 3 x täglich 300 mg Lithiumcarbonat = 900 mg Li-Carbonat
- 900 mg entspricht ca. 180 mg reines Lithium
- Da es Hinweise gibt, dass Lithiumorotat etwa zehnfach effizienter wirken könnte, könnten schon 3 Gaben a jeweils 6 mg Lithium täglich ( = 18 mg reines Lithium) ausreichen, um die Migräne abzuschwächen oder sie ganz zu verhindern (S.290)
- Im Laufe der Therapie haben die Patienten aus der Studie die Dosis reduziert und selbst angepasst. „Dieses Dosisreduktion legt nahe, dass Lithium nicht nur symptomatisch, sondern kausal therapeutisch wirken könnte: Sobald der Teufelskreis durchbrochen ist, könnte die essenzielle Dosis ausreichen.“ (S. 290)
- „Wenn eine Behandlung mit niedrigdosiertem Lithium so vielversprechend ist, warum scheint sich seither niemand in der medizinischen Welt für dieses spektakuläre Ergebnis zu interessieren?“ (S.290)
Therapie-Empfehlungen nach Dr. Nehls (S. 252 ff.)
Systemischer Behandlungsansatz:
- Lithium ist kein Wundermittel, sondern Teil eines ganzheitlichen Therapieplans
- Trotzdem ist es laut Dr. Nehls das sicherste Spurenelement, das wir kennen
- Viele fürchten sich unnötigerweise vor seiner Anwendung
Dosierungsempfehlungen:
- Niedrigdosisbereich: 1-20 mg Lithiumorotat pro Tag / NOAEL-Grenze (sichere Höchstdosis ohne Nebenwirkungen): 85 mg elementares Lithium/Tag
- Tagesbedarf bei Gesunden (70 kg Körpergewicht): etwa 1 mg Lithium
- Bei Neuroinflammation: 2× 5 mg Lithiumorotat täglich
- Bei bipolarer Störung:
- 3× 6 mg Lithiumorotat (18 mg elementares Lithium)
- Vergleichbar in der Wirkung mit 2× 450 mg Lithiumcarbonat (180 mg Lithium)
- Positive Wirkung oft schon nach 3-5 Tagen spürbar
Fazit – Welches Lithiumsalz ist die bessere Wahl?
| Merkmal | Lithiumcarbonat | Lithiumorotat |
| Ionisierung | Schnell im Blut → hoher Verlust | Spät, gezielt in der Zelle |
| Blutspiegel | Hoch, nahe toxischer Grenze | Natürlich, 10-20 µg/l |
| Nebenwirkungen | Häufig und teils schwer | Keine bekannt bei niedriger Dosierung |
| Schilddrüse, Zink etc. | Beeinträchtigt Jod, Zink, Fettsäuren | Keine nachgewiesenen Beeinträchtigungen |
| Wirkung | Unspezifisch, systemisch | Zielgerichtet, zellabhängig |
| Zellregeneration | Keine zusätzliche Wirkung | Orotat fördert Regeneration und Immunregulation |
| Erfahrungsberichte | Klinisch etabliert, aber mit Nebenwirkungen | Erste positive Erfahrungen |
| Studienlage |
Gut dokumentiert, wird seit den 1950-iger Jahren als Goldstandard bei der bipolaren Störung eingesetzt |
Einige wenige Einzelfallberichte |
| Rezeptpflichtig |
Ja, weil als Medikament zugelassen |
Darf nur als Rezepturarznei von einem Arzt verordnet werden |
Zusammengefasst:
- Lithiumcarbonat und Lithiumorotat unterscheiden sich grundlegend in ihrer Pharmakokinetik (Aufnahme, Verteilung, Um- und Abbau sowie Ausscheidung eines Arzneistoffs im Körper)
- Lithiumorotat wirkt gezielter, schonender und benötigt eine niedrige Dosis. Es wirkt zehnmal effizienter als Lithiumcarbonat.
- Lithiumcarbonat ist bewährt, aber mit einem Nebenwirkungsrisiko behaftet.
- Für viele Menschen, gerade bei leichten neuropsychiatrischen Beschwerden oder zur allgemeinen Nervenschutz- und Regenerationsförderung, ist Lithiumorotat eine attraktive Option.
- Zurzeit kann niemand sagen, ob es bei der bipolaren Störung Lithiumcarbonat ersetzen kann. Ein Versuch wäre es wert. Der us-amerikanische Psychiater James Greenblatt in seinem 2018 erschienenen Buch „Lithium – das Supermineral“ seine Erfahrung bei der Behandlung psychisch Kranker beschrieben.
- Der Potsdamer Kinderarzt Dr. Schellenberg verwendet Lithium-Orotat erfolgreich in seiner Praxis und berichtet darüber in mehreren YouTube-Videos.


